Spielwerker

Kunst, künstlerische Prozesse dienen dem Innehalten, der Reflexion, ebenso des einzelnen Individuums wie auch gemeinschaftlich in der Gruppe.

So sehr wir den Gang auf die Bühne an sich, das erst im Moment der Aufführung sich auf einmalige Weise entfaltende, als das angestrebte Ergebnis schätzen, richtet sich unser Augenmerk insbesondere auf die Gestaltung der Wege dorthin.

Welche Fertigkeiten fordert und fördert die Auseinandersetzung und die gemeinsame künstlerische Arbeit? Welche Erlebnisse sammelt der/die TeilnehmerIn im Laufe des Prozess? Zu welchen Zugeständnissen ist er/sie bereit, um die Gruppe zu stärken und zu stützen?

Diese Arbeit, so unsere Überzeugung, ist ein soziales Experiment und ein grundsätzlich politisches Ereignis. Unsere Projekte richten sich in diesem Sinne in einer ganzheitlichen Perspektive an alle beteiligten Personen: Geist, Herz und Körper nehmen gleichberechtigt teil und übernehmen Verantwortung gegenüber ihrer Umwelt.

Das Fundament und der Ausgangspunkt für die von uns konzeptionell und in der Umsetzung betreuten Projekte bildet folgenden Kreislauf, den man sich wie das Ineinandergreifen der Zähne eines Spielwerks vorstellen kann.

Vertrauen <-> Freiheit <-> Verantwortung

Zu Beginn steht das Vertrauen in jedes einzelne Glied der Kette. Jeder Mensch, TrainerIn wie TeilnehmerIn ist reich an Erfahrungen und Empfindungen und trägt in sich den Wunsch und das Potential künstlerischen Ausdrucks. Vertrauen schöpft Freude, schenkt die benötigte Ruhe um auf andere zuzugehen, ist der erste befreiende Schritt auf einem gemeinsamen Weg.

Sobald wir nicht unter dem Druck stehen, den von außen auf uns projizierten Erwartungshaltungen gerecht werden zu müssen, erleben wir das ungewohnte Gefühl von Freiheit. Sobald wir in der Lage sind, unsere ganz eigenen Impulse zu spüren und ihnen nach Lust und Laune nachzugehen, öffnen wir uns automatisch für das, was uns umgibt und übernehmen Verantwortung.

Während unser sozialer Alltag geprägt ist von Rückzügen, Ausflüchten, unzähligen Vermeidungsstrategien, erleben wir in der fiktiven Welt der Bühne ein hohes Maß an Wahrheit. Die Zusammenhänge, der Beitrag jedes Einzelnen ist unmittelbar erkennbar, wird eingefordert und anerkannt.

Es ist wie es ist, du bist wie du bist, wir tun es gemeinsam.

 

Martin Haberstroh kommt über das Studium Interkultureller Kommunikation, Germanistik und Spanischer Philologie zum Theater. 2002 gründet er die spanischsprachige Theatergruppe Los Mutantes, deren Leitung er bis 2008 innehat. Seit 2009 arbeitet er als Schauspieler und Co-Autor mit dem kanadischen Theaterprojekt ExMachina unter Regie von Robert Lepage. Mit seiner Kompanie arteatro und der Agentur Spielwerker verwirklicht er Theaterprojekte und Kulturformate, in deren Mittelpunkt der Wunsch steht, das Fremde auf die Bühne und so dem Publikum näher zu bringen..

Tom Streeb absolviert sein Studium zum Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Darmstadt. 2006 findet er zur Kunst, genauer zum Theater. Zunächst arbeitet er im Rahmen verschiedener Theaterproduktionen als Licht- und Sound-Designer, später als Veranstalter des Theaterfestivals der Großregion GrAFiTi sowie als Mitbegründer der Spielwerker in der Produktion verschiedener Bühnenprojekte. 2017 betritt er in „Unvollendet“ erstmals als Darsteller die Bühne..